ArsVersa
Kunst-Stiftung

Ganze / Teile Berlin

GANZE / TEILE war eine von den Künstlern Heiko Rintelen (*1976) und Heiko Pfreundt (*1976) kuratierte Ausstellung in einer ehemaligen Industriehalle am Treptower Park in Berlin. Die Ausstellung fand unter der Beteiligung von 26 Künstlern vom 18. Juli- 8. August 2010 statt.

 

Ausgehend von der Feststellung, dass wir Menschen die Dinge stets in ihre Teile aufspalten und umgekehrt versuchen, die Teile zu einem sinnvollen Ganzen zu verknüpfen, wurden Künstler eingeladen, die sich in ihrer Arbeit mit dem Verhältnis der Teile zum Ganzen, bzw. mit dem Ganzen als Idee, befassen.

"Ganz ist, wovon keine andere als komplementäre Beschreibung gegeben werden kann." (Klaus Meyer-Abich)

 

Die Ausstellung nimmt eine besondere Stellung unter den Berliner Kunstaktivitäten ein, da den teilnehmenden Künstlern neben der großen Ausstellungsfläche von 2800 qm die Möglichkeit geboten wurde, 6 Wochen vor Ausstellungsbeginn vor Ort zu arbeiten. So sind nicht nur auf den Raum bezogene Arbeiten entstanden, es hat sich auch ein intensiver Dialog zwischen den verschiedenen Künstlern und ihren Arbeiten entwickelt. Das übliche Setting des „White Cube“ wurde durch die Vorgabe der Kuratoren, ohne künstliche Beleuchtung und mit den räumlichen Gegebenheiten eines brachliegenden Fabrikgebäudes zu arbeiten, gebrochen. So zeichnet die Ausstellung eine verstärkte Auseinandersetzung mit Wettereinflüssen, dem Aussenraum und Spuren der Vornutzung aus. Die Wand als Grenze wird auf unterschiedliche Weise thematisiert, Fundstücke verweisen auf die Vergangenheit der Räume, viele Arbeiten verändern mit dem Lauf der Sonne ihre Erscheinung.

 

Regelmäßig unternehmen wir den Versuch, etwas Ganzes zu erfassen. Wir studieren die Teile genauestens und fügen sie akribisch zusammen.

 

Womöglich probieren wir auch, auf dem umgekehrten Weg, über einen direkten und intuitiven Zugang, das Ganze auf einmal zu erfassen.

 

Schaffen wir es die Teile sinnvoll zu verknüpfen oder mittels Intuition dem vermuteten Ganzen näher zu rücken, so erfahren wir doch stets, dass unsere Vorstellung von diesem durch unsere eigene, lange vorher getätigte Definition bestimmt und damit begrenzt war.

 

Das, was als Ganzes imaginiert war, stellt sich als ein Teil eines dahinter liegenden, umfassenderen Ganzen heraus. Wir ahnen natürlich, dass auch dieses wieder nur ein Teil sein wird.

 

Dennoch geben wir unser Vorhaben nicht auf, der Phantomschmerz hat sich nur verlagert. Die sich bald neu formierende Idee von Vollständigkeit treibt uns an, unseren Sinnhorizont abermals verschwimmen zu lassen, um ein weiteres Ganzes zu imaginieren.

 

Die Ausstellung möchte Arbeiten zusammen bringen, die sich mit dem Verhältnis des Ganzen zu seinen Teilen, bzw. eines Ganzen zu einem größeren Ganzen befassen. Mit der Beziehung zwischen Besonderem und Allgemeinem, dem Spannungsfeld zwischen Begrenzung und Unendlichkeit.

 

Werke, die Transformations- oder Transzendentationsprozesse verhandeln oder anstossen, die das Gefüge ebenso wie die Dinge sehen. Die Behauptung des Absoluten soll einen Platz neben der Freude am Unvollendeten bekommen.

 

Das Verweigern endgültiger Aussagen, Verletzungen oder Verwischungen von Grenzen, die Behauptung oder Anerkennung produktiver Vorurteile und Vormeinungen, Hinweise auf Blinde Flecken wie auch der Blick auf das Unüberschaubare sind willkommene Teile für das Ganze.

 

Ein wesentliches Anliegen der Ausstellung ist die Auseinandersetzung mit der Ganzheit Raum. Diese soll im Laufe des Aufbaus durch das Hinzufügen zusätzlicher Teile, den künstlerischen Arbeiten, befragt und neu definiert werden. Der Raum der Ausstellung kann als absolut, genauso wie als unvollendet angesehen werden.

 

Begleitende Fragen:
Wie und wodurch ist das Verhältnis von Innen und Außen veränderbar? Was schließt die eigene Arbeit ein und was wird durch sie ausgeschlossen? Wie verändern die einzelnen Teile als Variablen das Ganze der Ausstellung? Inwieweit bestimmt der Raum oder die Bewegung eines einzelnen Kunst-Teils das Ganze? Welches Ganze wird erfasst, auf welches Ganze wird hingewiesen? Was limitiert unsere Vorstellungskraft? Was erweitert diese und was ist die Basis? Wie entstehen intuitive Behauptungen und welche Parameter gelten für ihre Haltbarkeit?

Ganze Teile (Entireties/Parts) Exhibition in Berlin. Video by TVBerlin.

Künstlerischer Werdegang der Kuratoren

Heiko Rintelen

*1976 in Hamburg, lebt und arbeitet in Berlin

2007       
Diplom Fotografie / Kommunikationsdesign an der Universität Duisburg-Essen (jetzt Folkwang Hochschule) bei Prof. Jörg Sasse.


Auswahl von Ausstellungen:

2011       
In Anbetracht, Kreuzberg Pavillion, Berlin
Office 152, Friedrichstrasse, Berlin

2010       
Ganze / Teile, Schuckerthöfe, Berlin
Equinox, Grimmuseum, Berlin,
4K4WE, BKS, Berlin (S)

2009       
Viel, Galerie Mikro, Düsseldorf

2008       
Epson Art Photo Award, Goethe Institut, Singapur
Vorstellung, Ziegler Temporary, Stuttgart

2007       
Diplome 07, Forum Kunst und Architektur, Essen
Unkraut, Version 07 Festival, Chicago
Essensbilder, Sparkasse Essen

2006       
Stillleben,  Galerie Mikro, Düsseldorf (S)
Epson Art-Photo-Award, Art Cologne, Köln
Sehwege, Kunstverein Oldenburg

2005       
Privatkontakte, Städtische Galerie Villingen-Schwenningen


Auszeichnungen:

2009
Nominierung Walter Koschatzky Kunstpreis

2006
Epson Art-Photo-Award, "beste Klasse"

2004
Gaststudium an der Universität für Angewandte Kunst Wien.
Klasse für Visuelle Bildgestaltung bei Prof. Peter Weibel und Prof. Tom Fürstner

 

 

Heiko Pfreundt

 

Ausbildung

1999
Universität Bremen, Kunstpädagogik

2001-2007
Hochschule für Künste Bremen

 

Förderungen & Preise

2006
Projektförderung Filmbüro Bremen

2007
Hochschulpreis der Hochschule für Künste Bremen, 1.Platz

2010
Förderung des Ausstellungsprojektes Ganze/Teile durch die ArsVersa Stiftung  

 

 

Kuration /Kulturmanagent

aktuell : Initiator des Kreuzberg Pavillon Neukölln

2011
Initiator des Kreuzberg Pavillon

2010
Co-Initiator der Ausstellung „Ganze Teile“, Schuckert Höfe Berlin

2009-2011 
Kulturmanager in verschiedenen Berliner Kunstvereinen
u.a. im Projektraum JET / Alexanderplatz Berlin, 2009 

 

 

Hintergrund/Arbeitsweise

Die Arbeiten Heiko Pfreundt sind Befragungen des öffentlichen Raumes : Wie lässt
sich durch künstlerische Interventionen und ästhetische Praxis öffentlicher Raum
gewinnen um ihn als künstlerisch und politischen Verhandlungsort für jede/n zugänglich
zu machen?

Es gilt künstlerische Praxis als ein gesellschaftliches Handlungsformat zu
begreifen. Hierzu werden künstlerische Arbeiten für die Öffentlichkeit konzipiert
damit sie den BenutzerInnen - in Form von einfachen Ausführungen und
Handlungsanweisungen frei zugänglich sind und als Referenzmöglichkeit zur
Verfügung stehen können.

Das Ausstellungsformat hierfür sind intermedial, und beziehen sich zumeist auf das
Verhältnis von Innen-und Außen von Austellungsarchitekturen.

Die kuratorische Praxis die hier in einem Austausch mit der eigenen künstlerischen Tätigkeit befindet, ist eine fortlaufende Untersuchung darüber wie die  Form Kunst zu zeigen, ortsspezifischen und sozialen Bedingungen entsprechen kann.